Rahab wird als zweite Frau im Stammbaum Jesu genannt.
Dies ist das Buch der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.
Matth 1, 1-5a
Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte Jakob. Jakob zeugte Juda und seine Brüder. Juda zeugte Perez und Serach mit der Tamar. Perez zeugte Hezron. Hezron zeugte Ram. Ram zeugte Amminadab. Amminadab zeugte Nachschon. Nachschon zeugte Salmon. Salmon zeugte Boas mit der Rahab.

Wer war Rahab?
Von Rahab wird an verschiedenen Stellen in der Bibel erzählt. Im Buch Josua 2 und im Neuen Testament Heb 11,31 und Jak 2,25 wird Rahab als Hure bezeichnet. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus verwendet diesen Begriff jedoch nicht und nennt sie eine Wirtin. Übersetzen kann man den Namen Rahab mit „Weite“, „Geräumige“ oder „Weitherzige“…
Rahab wohnte einst in Jericho und war mit Leib uns Seele Schankwirtin. Bei ihr kehrten Fremde und Einheimische ein und ihr Haus war eine wahre Informationsquelle. Es lag, wie damals für Wirtshäuser nicht unüblich, direkt an der Stadtmauer. Rahab war keine Jüdin. Sie war Kanaaniterin und sie glaubte an die große Göttin. Aber auch über den Gott, den das Jüdische Volk verehrte wusste sie bestens Bescheid. Sie kannte alle Geschichten – zum Beispiel wie er sein Volk aus der Gefangenschaft führte. Wie alle anderen in Jericho hatte sie eine „Heidenangst“ vor diesem jüdischen Volk und dessen starkem Gott.
Und dann geschah, was geschehen musste. Eine heikle Situation. Zwei jüdische Spione kamen nach Jericho, um dort die Situation in der Stadt auszukundschaften. Sie kehrten ausgerechnet bei Rahab ein. Es dauerte nicht lange, da erfuhr das auch der König von Jericho und schickte sofort seine Sicherheitspolizei zu Rahab. Die beiden Kundschafter sollten festgenommen werden. Was tun? Rahab blieb nicht viel Zeit. Sie musste eine schnell Entscheidung treffen. Und sie tat das, was ihr Bauch und ihr Herz ihr sagten. Sie versteckte die beiden jüdischen Spione auf dem Dachboden. Den Männern des Königs sagte sie: „Ja, hier waren zwei Männer. Ich weiß aber nicht, woher sie kamen. Bevor es dunkel wurde und das Stadttor geschlossen werden sollte, sind sie wieder weg. Keine Ahnung, wohin sie gegangen sind. Am besten ist, ihr lauft schnell hinterher, dann könnt ihr sie vielleicht noch einholen!“
Das war gelogen. Ja – musste aber sein. Mit den beiden jüdischen Männern machte sie dann einen Deal, denn sie wusste und fürchtete, dass das jüdische Volk Jericho erobern, einnehmen und schlimmstenfalls dem Erdboden gleich machen würde. Ihr war klar, dass die Bewohnerinnen und Bewohner Jerichos dem nichts entgegen zu setzen hatten. So verhandelte sie mit den beiden und ließ sie beschwören, dass ihr und ihrer Familie bei einem Überfall nichts geschehen werde. Denn schließlich hatte sie auch das Leben der beiden Männer gerettet. Als Erkennungszeichen sollte sie ein rotes Seil, genau aus dem Fenster hängen lassen, durch das die beiden jetzt entlang der Stadtmauer fliehen konnten.
Und so geschah es. Bei der Eroberung Jerichos wurde das Wirtshaus der Rahab verschont. Sie, ihre Mutter, ihr Vater, ihre Geschwister und alle anderen, die im Haus waren, wurden an einen Platz außerhalb der Stadt gebracht. Die Stadt selber wurde niedergebrannt mit allem, was in ihr war. Und so leben Rahabs Nachkommen noch heute in Israel.
Tja, wer war nun diese Rahab? Manche beschimpften sie als Landesverräterin. Da mag ja auch was dran sein. Und dennoch wird sie im Stammbaum Jesu erwähnt! Anscheinend ist sie zu einem Vorbild des Glaubens geworden – das wird ausdrücklich im Neuen Testament erwähnt.

Aufgrund ihres Glaubens kam die Hure Rahab nicht zusammen mit denen um, die sich Gott widersetzten. Denn sie hatte die Kundschafter in Frieden bei sich aufgenommen.
Hebräer 11, 31
Ihr seht also: Aufgrund seiner Taten wird der Mensch von Gott für gerecht erklärt. Der Glaube allein genügt nicht. War es bei der Prostituierten Rahab nicht genauso? Aufgrund ihres Handelns wurde sie für gerecht erklärt. Sie nahm die Kundschafter Israels bei sich auf – und ließ sie auf einem anderen Weg aus der Stadt hinaus. Ohne den Geist ist der Körper tot. Genauso ist auch der Glaube tot, wenn er sich nicht in Tagen zeigt.
Jakobus 2,24-26
Gedanken zum zweiten Advent – mit Rahab
Mitten in Krieg, Gewalt, Tod und Angst und verhandelt Rahab mit den beiden verfeindeten jüdischen Männern um ihr Leben. Es ist, als ob für einen Moment die unaufhaltsam rollende Kriegsmaschinerie stillsteht. Da sitzen plötzlich drei Menschen beieinander verfeindet und doch vertraut und vertrauend.
Sich darauf einzulassen, so zu handeln, wie Rahab es getan hat, das braucht Mut.
Rahab war fähig, sich nicht vor der eigenen Angst zu beugen, sondern aufzusehen, den Kopf zu heben und ihren Blick zu weiten, über das allgegenwärtige Kriegsgeschehen hinaus und im Kleinen zu handeln.
Rahab war mutig und stark. Sie trifft ganz alleine eine Entscheidung, als einzelne Frau, die sogar ein wenig am Rande der Gesellschaft steht. Sie beugt sich nicht vor der Größe des Problems und der Größe der Machthaber, sondern sieht die verletzlichen Menschen in ihrer Umgebung, ihre Familie und die beiden jüdischen Männer.
Rahab war wagemutig. Sie macht den Gott, in dessen Namen ihre Familie ausgerottet werden soll, zum Anwalt für ihr Leben und das ihrer Familie. Das kann man Mut der Verzweiflung nennen oder die Schlauheit derer, die im letzten Moment richtig verhandeln und dem Tod von der Schippe springen.
Vielleicht gehört aber auch genau das zum Glauben: in all dem Dunkel, in all der Angst, in all den Zweifeln – auch an Gott – sich an Gott zu halten, von dem man ahnt und hofft, dass er nicht den Untergang will sondern die Rettung.
Für mich beherzigt Rahab den Wochenspruch zum Zweiten Sonntag im Advent.
Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Lukas 21, 28b




