Erster Advent: Das Leben in die eigene Hand nehmen

Tamar wird als erste Frau in Jesu Stammbaum aufgezählt

Dies ist das Buch der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte Jakob. Jakob zeugte Juda und seine Brüder. Juda zeugte Perez und Serach mit der Tamar. Perez zeugte Hezron. Hezron zeugte Ram.

Matthäus 1,1-3
Tamar und Juda

Wer war Tamar?

Zunächst war Tamar mit Er, Judas Ältestem, verheiratet, der jedoch bald nach der Hochzeit ohne Nachkommen starb. Juda vermählte sie daraufhin mit seinem zweiten Sohn, Onan, damit dieser seinem verstorbenen Bruder Nachkommen verschaffe. Onan aber verweigerte dies und ließ „den Samen zur Erde fallen und verderben“. Kurze Zeit darauf starb auch er, und Tamar war weiterhin kinderlos. Rechtlich hätte nun der Jüngste, Schela, seinen Brüdern nachkommen schaffen, aber Juda zögerte die Vermählung immer wieder hinaus, da er wegen des schnellen Todes seiner ersten beiden Söhne befürchtete, auch dieser letzte könne ihm genommen werden. Einige Zeit später, nachdem Judas Frau verstorben war, verführte Tamar, als Dirne verkleidet, ihren Schwiegervater und wurde von ihm schwanger.
Man berichtete Tamar: Dein Schwiegervater geht gerade nach Timna hinauf zur Schafsschur. Da zog sie ihre Witwenkleider aus, legte einen Schleier über und verhüllte sich. Dann setzte sie sich an den Ortseingang von Enajim, der an der Straße nach Timma liegt. Sie hatte gemerkt, dass Schela groß geworden war, dass man sie ihm aber nicht zur Frau geben wollte. Juda sah sie und hielt sie für eine Dirne; sie hatte nämlich ihr Gesicht verhüllt. Da bog er vom Weg ab, ging zu ihr hin und sagte: Lass mich zu dir kommen! Er wusste ja nicht, dass es seine Schwiegertochter war. Sie antwortete: Was gibst du mir, wenn du zu mir kommen darfst? Er sagte: Ich werde dir ein Ziegenböckchen von der Herde schicken. Sie entgegnete: Du musst mir aber ein Pfand dalassen, bis du es schickst. (Gen 38, 13-17)

Als Pfand für die Bezahlung, die sie bekommen sollte, hatte er ihr seinen Siegelring mit Schnur sowie seinen Stab überlassen, doch konnte er das Pfand nicht mehr einlösen, da die Dirne verschwunden war. Die Frau war nicht nur verschwunden, es wurde ihm erzählt, dass es an diesem Ort nie eine Dirne gegeben hat. Als er später hörte, dass Tamar schwanger sei, wollte er sie wegen Unzucht mit dem Tod bestrafen lassen. Als sie ihm aber die Pfänder schickte, erkannte er, dass er überlistete worden und das Tamar im Recht gewesen war, da er ihr einen Kindsvater verweigert hatte. Tamar brachte Zwillinge zur Welt und nannte sie Perez und Serach. Für die Erbfolge der beiden war es bedeutsam, welcher der beiden Söhne zuerst geboren wurde, da dieser aufgrund der Levirats Ehe als Sohn des Er galt. Zur Zeit der Geburt streckte nun einer der Zwillinge die Hand aus. Die Hebamme band an diese Hand einen roten Faden an. Die Hand verschwand und der Junge ohne Faden wurde zuerst geboren. Man nannte ihn Perez, das heißt Riss oder Durchbruch. Danach wurde sein Bruder Serach mit dem roten Faden an der Hand geboren. Die Söhne von Perez waren Hezron und Hamul. Von Perez stammt nach einigen Generationen König David ab.
(in Anlehnung an: Arbeitshilfe Frauensonntag 2011, Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche in Baden)

Gedanken zum ersten Advent – mit Tamar

Vielleicht fragt man sich, was nun die Tamar mit dem ersten Advent zu tun hat. Nun ja, sie wird von Matthäus als die erste Urururururgroßmutter von Jesu genannt. Sie ist die Frau, die neben all den Männern als erste genannt wird im Stammbaum Jesu. Von daher hat sie eine nicht unerhebliche Funktion für die Ankunft des Messias – rein biologisch gesehen.

Aber zeigt sie uns nicht vielmehr, wie wichtig es ist, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen? Selbstbestimmt zu handeln? Sich nicht unterkriegen lassen – ist ihre Devise. Gerechtigkeit über Recht zu setzen, wenn es nötig wird. Notfalls auch mal unkonventionelle Schritte tun, wenn anderes nicht zum Ziel führen kann. Mut zu haben, sich für eigene Belange einzusetzen, die eigene Existenz zu sichern.

Und Tamar hat uns gezeigt, dass sie Vertrauen in ihr Handeln hatte. Vertrauen, dass es gut wird. So viel Vertrauen, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzt.

Für Josephine Teske (@seligkeitsdinge) ist Tamar eine Trotzdem-Frau. Sie schreibt:

Tamar ist eine Trotzdem-Frau. Stellt sich innerlich auf und sagt:
Ich will es trotzdem machen. Vertrauen, dass es gut ausgeht. In einer Welt, die mich klein machen will.
Der ich nichts zu bedeuten scheine.
Die mir sagt, sie brauche mich nicht.
Trotzdem.
Deshalb.
Weil ich eine gute Zukunft für mich möchte.
Nicht verzweifeln will.
An das Gute glauben mag.
Muss.
Deshalb tue ich trotz allem dies hier – trotzdem.
Mit Blick gen Himmel.

www.seligkeitsdinge.de/2021/12/eine-trotzdem-frau/
Selbstbestimmt und selbstbewusst voller Vertrauen