Krippe 2022

Wingman Gottes oder nur Randfigur – Josef im Spotlight

Wer war dieser Josef von Nazareth?
In der Weihnachtsnacht steht Josef meist still und schweigend, in sich versunken und zurückhaltend im Hintergrund an der Krippe. Aber wer war dieser Mann?
In der Vielvölkerkrippe in der Hoffnungskirche steht er in diesem Jahr im Rampenlicht. Wenn Sie vielleicht noch eine neue Seite des Ziehvaters Jesu, des Zimmermanns aus Nazareth und des Ehemanns der Maria kennenlernen wollen, verfolgen Sie die Entstehung der diesjährigen Krippe.

Wie schon in den letzten Jahren entsteht an jedem der Adventwochenenden eine neue Krippenszene – in diesem Jahr erzählt sie aus dem Leben des Josef. Und an Weihnachten wird dann die gesamte diesjährige Krippengeschichte sichtbar.

Vierter Advent: Wohin dein Herz dich trägt…

Weihnachten 2022: Josef von Nazareth, ein Mann für alle Fälle

Fürchtet euch nicht – euch ist heute der Heiland geboren!

Fürchtet euch nicht! So verkünden die Engel den Hirten die Geburt des Gottessohnes. Fürchte dich nicht! So begrüßt der Engel Gabriel Maria, als er ihre Schwangerschaft ankündigt. Fürchte dich nicht! So begrüßt der Engel Josef in seinen Träumen.

Fürchtet euch nicht – denn euch ist heute der Heiland geboren.

Stall in Bethlehem

Die Geschichte unseres Glaubens beginnt vor vielen tausend Jahren. Die Geschichte unseres Glaubens beginnt mit der Schöpfung und der Vorstellung des Paradieses auf Erden.

Einige tausend Jahre später erscheint Josef von Nazareth in den biblischen Geschichten. Er ist ein Nachkomme Abrahams und Davids. Sein Vater ist Jakob, sein Großvater ist Mattan und sein Urgroßvater ist Eleasar. Dies sind die jüngsten der vier Generationen nach dem babylonischen Exil bis zu Christus. Josef lebte in Galiläa in der Stadt Nazareth. Ob er Zimmermann war? Genau weiß das niemand. Vielleicht war er auch Architekt und Baumeister. Er war ein Mann des Vertrauens. Stand mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Er war ein Mann des Handelns. Er war ein Mann des Denkens. Er war weniger ein Mann der Worte – in der Bibel verstummt er sogar ganz. Er war ein Mann des Schweigens, vielleicht war er ein Mann des Hörens, des Zuhörens?

osef und Maria. Ihr gemeinsames Leben wird schon ganz zu Beginn auf eine harte Probe gestellt. Das hat uns die Krippe vom ersten Advent erzählt. Doch im Traum erscheint ihm ein Engel. „Josef, du Nachkomme Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen.“ Und Josef fürchtete sich nicht und sorgte sich nicht länger um seine Liebe. Er nimmt sein Leben und das Leben Marias in die Hand. Mutig. Tatkräftig. Vertrauend auf Gottes Versprechen.
Josef und seine hochschwangere Ehefrau ziehen nach Bethlehem in Davids Stadt. Eine Volkszählung hat sie hierher berufen. Es ist beschwerlich, anstrengend und sie wissen nicht, was sie erwartet. Am Ende wartet auf sie ein Stall, eine Höhle, ein Unterstand – immerhin ein Dach über dem Kopf, das Schatten spendet, immerhin ein wenig Wand, das Schutz bietet vor Kälte und anderen Dingen.

Es sind Tiere dort und Engel und Menschen auf den Feldern. Maria bringt ihr Kind zur Welt. Das Gotteskind kommt hilflos und doch gewaltig ins Nichts. Josef muss in diesem Moment überwältigt gewesen sein – wie wohl jeder junge Vater, der gerade die Geburt seines Kindes erlebt. In diesem Moment ist das der hellste Ort auf Erden. Glück und Sorge geben sich die Hand. Liebe und Verantwortung umarmen sich. Unglaubliches wird vorstellbar. Und die Engel singen: Fürchtet euch nicht! Josef schweigt und nimmt alle Worte und Gedanken in sich auf. Vielleicht ist er am Ende des Tages müde. Vielleicht träumt er schlaflos. Vielleicht liebkost er das Neugeborene. Vielleicht umsorgt er Maria. Vielleicht sitzen die beiden schweigend, Arm in Arm und staunen. Bestaunen ihr Kind. Fremde Menschen besuchen sie. Bringen ihnen wertvolle Geschenke mit. So manches mal ist Josef irritiert. Angeblich waren es Sterndeuter, weise Menschen. Ihr Besuch machte Josef stolz und auf der anderen Seite ängstigte er ihn. Widersprüchliche Gefühle waren so nah beieinander. Und in der letzten Zeit nicht eben selten. Und dann droht nach einigen Wochen ernsthaft Gefahr für das Neugeborene. Das ist die Geschichte vom zweiten Advent.

Josef flieht mit seiner jungen Familie und dem wenigen Hab und Gut, mit den Geschenken der Weisen und mit dem Esel nach Ägypten. Sie waren Wochen unterwegs. Wüste, Trockenheit, Hitze. Aber irgendwie haben sie es geschafft. Ägypten ist erreicht. Ägypten, damals ein Ort der Zuflucht, ein Asyl für viele Menschen.

Josef, Maria und Jesus leben einige Jahre in Ägypten. Jesus verbringt seine Kindheit hier. Macht die ersten Schritte, spricht die ersten Worte – war es vielleicht sogar das Wort „Papa“? Josef ist stolz. Er liebt seine kleine Familie über alles. Er ist froh, denn er findet Arbeit im Bauhandwerk. Davon können sie gut leben. Maria hat ihr Heim heimelig gemacht. Sie fühlen sich wohl. Sie fühlen sich sicher. Und doch summt da manchmal Heimweh im Kopf. Aber meistens ist die Zeit erfüllt vom Staunen, Entdecken, Spielen, Lachen und Singen. Bis eines Tages die Geschichte vom dritten Advent passiert. Josef träumt erneut. Ein Traum der wieder neue Wege weist.

Herodes ist tot. Seine Gewaltherrschaft in Jerusalem ist beendet. Das Heimweh wird stärker. Es hält Josef und seine Familie nichts mehr. Sie brechen ihre Zelte in Ägypten ab. Ziehen zurück nach Israel. Aber wo genau ist ihre Heimat. In Bethlehem, der Stadt Davids, dem Geburtsort von Jesus. Oder sollen sie in Josefs alte Heimat ziehen, nach Galiläa nach Nazareth. Die Zeiten sind ungewiss. Aber dann träumt Josef wieder einmal – das war am vierten Advent.

Herodes Sohn ist an der Macht. Da weiß man nie, denn bekanntlich fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. So ist es klar. Josef, Maria und Jesus ziehen zurück nach Galiläa. Nach Nazareth.

Sie sind angekommen. Josef bezieht seine alte Werkstatt. Er findet Arbeit an einer naheliegenden Großbaustelle. Hier wird eine neue Stadt aus der Erde gestampft. Ein hektisches Werken und Wirken an allen Stellen der Stadt. Es sind zahlreiche Menschen unterwegs. In und auf den Häusern tummeln sich Kinder und Menschen aus aller Welt. Es könnte Porz-Finkenberg sein.

Josef ist angekommen. Er arbeitet gerne und gut. Unzählige Stunden verbringt er in seiner Werkstatt. Und jedes Mal strahlen seine Augen, wenn Maria ihn besuchen kommt. Dann, wenn die Zeit mal wieder schneller vorbei war als die Arbeiten. Dann bringt sie ihm Essen. Setzt sich auf die Bank, breitet stolz ihre neu gewebten Tücher vor ihm aus. Und sie strahlen beide.

Oft kommt Jesus mit. Oft geht er seine eigenen Wege. Mit zwölf Jahren ist er ja schon fast erwachsen. Vieles hat er von Josef abgeschaut. Vieles macht er vollkommen anders. Josef schweigt. Jesus redet. Jesus diskutiert mit Gelehrten und Hohepriestern. So auch im Tempel seinerzeit.
Der damalige Tempel kann heute die Hoffnungskirche sein – ein offener Ort, der Hoffnung verspricht, der Heil verspricht.

Wie ging es dann weiter? Was die Lebensgeschichte Josefs angeht – schweigt die Bibel. Wann ist er gestorben? Wie ist er gestorben? Wie war sein Verhältnis zu dem älter und erwachsen werdenden Stiefsohn? Wie gestaltete sich seine Beziehung zu Maria? Haben die beiden noch mehr gemeinsame Kinder? Wie war ihr Familienleben in Nazareth?

Viele Fragen. Keine Antworten. Aber eines wissen wir: Josef ist zum Schutzpatron vieler Kirchen geworden. Auch von der Kirche St. Josef in Porz. Und in der katholischen Kirche wird Josef als Heiliger verehrt.

Josef von Nazareth. Neben der Gottesmutter gilt er als der größte Heilige der katholischen Kirche. Dabei fehlen ihm auf den ersten Blick die Merkmale anderer großer Gestalten. Er ist kein Märtyrer wie Maximilian Kolbe, er ist kein Kirchenlehrer wie Thomas von Aquin, er hat keinen Orden gegründet wie Franziskus von Assisi, er war kein Mystiker wie Katharina von Avila. Als ein Mann der Tat braucht er für sich keine Werbung machen. Zahllose Klöster und Bruderschaften stehen unter seinen Schutz. Überlieferte Zeugnisse seiner Verehrung im deutschsprachigen Raum gibt es seit dem Jahr 850.

Karl Heinz Fleckenstein: Epilog in Josef von Nazareth. Der Mann in der zweiten Reihe. Aachen: Bernardus Verlag.