Krippe 2021

Vom Paradies zum allgemeinen Frieden

Nach einem Jahr „Krippenpause“ sollte in diesem Jahr die Vielvölkerkrippe Hoffnungsbilder und Lichtsterne am Horizont leuchten lassen – Hoffnungsleuchten.

Die Krippe überspannt einen weiten Bogen vom Paradies mit der ungetrübten Schöpfung über die Zerstörung dieser Schöpfung bis hin zu dem von den Propheten angekündigten allgemeinen Frieden: Dem Zug der Völker zum Berg Zion und dem Tierfrieden. Dazwischen, in der Zeit in der wir leben, hat sich das Ereignis der Geburt des Gottessohnes ereignet, und Christen glauben, dass mit Jesus das Reich Gottes auf Erden begonnen hat und wir auf dem Weg zu dem versprochen allgemeinen Frieden sind – obwohl es derzeit danach überhaupt nicht aussieht. Dass wir jährlich Weihnachten feiern, soll uns immer wieder daran erinnern, dass der Samen gelegt ist. Auch die Krippe sollte in diesem Jahr einen Anstoß geben, sich zu erinnern, innezuhalten, nachzudenken.

Weihnachten 2021 – Von der Vergangenheit zur Gegenwart und weiter zur Zukunft

Finkenberg 2021. Mittendrin ein Stall mit Licht – ein Kind im Stroh. Dies ist nur ein Teil der Geschichte, nur ein Teil der Krippenlandschaft.

Oder anders ausgedrückt: von der Vergangenheit zur Gegenwart und weiter zur Zukunft. Die Krippe erzählt Dir die Geschichte des Glaubens, die Geschichte des Lebens oder die Geschichte der Welt. Je nachdem – wie, warum und wozu Du sie hören magst. Die Geschichte überspannt einen weiten Bogen vom Paradies, über dessen Zerstörung bis hin zu dem angekündigten allgemeinen Frieden.

Die Geschichte beginnt mit dem Anfang von Allem. Der Glauben entsteht, die Welt baut sich auf und das Leben beginnt. Und ganz kurz danach, da gab es ihn – diesen einen paradiesischen Augenblick. Für die Ewigkeit eines Atemhauchs oder der unendlichen Zeit eines Augenblicks war die Welt in Ordnung – sie war heil und bunt und schön und friedlich. Da graste das Schaf neben dem hungrigen Löwen – und der König der Tiere sah gelassen zu. Da blühten die Bäume und die Erde grünte und malte sich bunt mit Blumen und Gräsern.

Dann lockte die Erkenntnis in Form eines gelb-rot leuchtenden Apfels und der überzeugenden Redegewandtheit der Schlange. Die ersten Menschen griffen zu – erkannten sich und die Welt, das Böse und das Gute. Das waren die ersten Schritte in die Welt, wie sie wahr war.

Das war die Geschichte der Adventskrippen und das ist die Geschichte, die am Anfang der diesjährigen Krippe steht.

Dann gibt es die letzten sieben Tage der Schöpfung – Worte von Jörg Zink aus dem Jahr 1970.
Ein herzliches Dankeschön an die Familie Zink dafür, dass wir die Worte für die Krippe und unsere Webseite verwenden dürfen Die letzten sieben Tage der Schöpfung | Jörg Zink (joerg-zink.de)

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde
Aber nach vielen Jahrmillionen war der Mensch endlich klug genug. Er sprach: Wer redet hier von Gott? Ich nehme meine Zukunft selbst in die Hand. Er nahm sie, und es begannen die letzten sieben Tage der Erde.
Am Morgen des ersten Tages
beschloss der Mensch frei zu sein und gut, schön und glücklich, nicht mehr Ebenbild eines Gottes, sondern ein Mensch. Und weil er etwas glauben musste, glaubte er an die Freiheit und an das Glück, an Zahlen und Mengen, an die Börse und den Fortschritt, an die Planung und seine Sicherheit. Denn zu seiner Sicherheit hatte er den Grund zu seinen Füßen gefüllt mit Raketen und Sprengköpfen.

Am zweiten Tage
starben die Fische in den Industriegewässern, die Vögel am Pulver aus der Chemischen Fabrik, das den Raupen bestimmt war, die Feldhasen an den Bleiwolken von der Straße, die Schoßhunde an der schönen roten Farbe der Wurst, die Heringe am Öl auf dem Meer und an dem Müll auf dem Grunde des Ozeans. Denn der Müll war aktiv.

Am dritten Tage
verdorrte das Gras auf den Feldern und das Laub auf den Bäumen, das Moos an den Felsen und die Blumen in den Gärten. Denn der Mensch machte das Wetter selbst und verteilte den Regen nach genauem Plan. Es war nur ein kleiner Fehler in dem Rechner, der den Regen verteilte. Als sie den Fehler fanden, lagen die Lastkähne auf dem trockenen Grund des schönen Rheins.

Am vierten Tage
gingen drei von vier Milliarden Menschen zugrunde. Die einen an den Krankheiten, die der Mensch gezüchtet hatte, denn einer hatte vergessen, die Behälter zu schließen, die für den nächsten Krieg bereitstanden. Und ihre Medikamente halfen nichts. Die hatten zu lange schon wirken müssen in Hautcremes und Schweinelendchen. Die anderen starben am Hunger, weil etliche von ihnen den Schlüssel zu den Getreidesilos versteckt hatten.

Und sie fluchten Gott, der ihnen doch das Glück schuldig war. Es war doch der liebe Gott.

Am fünften Tage
drückten die letzten Menschen den roten Knopf, denn sie fühlten sich bedroht. Feuer hüllte den Erdball ein, die Berge brannten, die Meere verdampften, und die Betonskelette in den Städten standen schwarz und rauchten. Und die Engel im Himmel sahen, wie der blaue Planet rot wurde, dann schmutzig braun und schließlich aschgrau. Und sie unterbrachen ihren Gesang für zehn Minuten.

Am sechsten Tage
ging das Licht aus. Staub und Asche verhüllten die Sonne, den Mond und die Sterne.Und die letzte Küchenschabe, die in einem Raketenbunker überlebt hatte, ging zugrunde an der übermäßigen Wärme, die ihr gar nicht gut bekam.

Am siebten Tage
Endlich. Die Erde war wüst und leer, und es war trüb und finster über den Rissen und Spalten, die in der trockenen Erdrinde aufgesprungen waren. Und der Geist der Menschen irrlichterte als Totengespenst über dem Chaos. Tief unten, in der Hölle aber erzählte man sich die spannende Geschichte von dem Menschen, der seine Zukunft in die Hand nahm, und das Gelächter dröhnte hinauf bis zu den Chören der Engel.

In der Gegenwart leuchtet die Hochhauskulisse von Köln-Finkenberg. Ein paar bunte Häuser auf tristem Asphalt. Kinder aus aller Welt bestaunen von oben, was unten passiert.
Mittendrin – leuchtet ein Stern – darunter ein Stall und im Stroh ein Kind. Es bringt Licht in die Welt – es bringt Hoffnung für die Menschen – es bringt Heil für die Seelen. Mittendrin.

Erinnere Dich an die Geburt Jesu. Die Christen glauben, dass mit Jesus das Reich Gottes auf Erden begonnen hat und wir auf dem Weg zu dem versprochenen allgemeinen Frieden sind – obwohl es danach derzeit überhaupt nicht aussieht. Dass wir jährlich Weihnachten feiern, erinnert uns aber daran, dass der Samen gelegt ist. Lass Dich von der Krippe ein wenig anschubsen, Dich zu erinnern, innezuhalten, nachzudenken. Vielleicht wird dann die Hoffnung froh.

In einem hoffnungsfrohen Augenblick können Häuser bunter werden – Farben leuchten und glitzern – Häuser wie ein Spielplatz auf Erden – rund und verspielt anstatt eckig und kantig – eine Freude anzusehen, eine Freude zu bewohnen. So hat Friedensreich Hundertwasser versucht die Welt friedlicher zu machen. Er hat auch die diesjährige Krippenlandschaft inspiriert.

Die „Vielvölker“ aus Finkenberg wandern in diesem Jahr an der Krippe vorbei, grüßen den Heiland und blicken hoffnungsfroh nach vorn – auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Seht, ich schaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Dann denkt niemand mehr an das, was früher war. Es ist für immer vergessen. Freut euch und jubelt ohne Ende über das, was ich jetzt erschaffe! Ich mache Jerusalem zu einer Stadt des Jubels, und seine Bewohner erfülle ich mit Freude. Auch will ich über Jerusalem jubeln und mich über mein Volk freuen. Man wird dort niemanden mehr weinen hören, die Klage ist für immer verstummt. Es gibt dort keinen Säugling mehr, der nur wenige Tage lebt. Man findet keinen Greis, der nicht ein hohes Alter erreicht. Wenn einer mit Hundert stirbt, sagt man. Er war noch jung. Und wer die Hundert nicht erreicht, gilt als gestraft. Dann wird man Häuser bauen und selbst darin wohnen. Man wird Weinberge pflanzen und selbst ihren Ertrag genießen. Man baut keine Häuser mehr, in denen dann andere wohnen. Man pflanzt nichts mehr, das dann andere essen. Die Menschen in meinem Volk werden so alt wie Bäume. Meine Erwählten werden das genießen, was sie mit eigenen Händen erarbeitet haben. Keiner müht sich mehr vergebens. Niemand bringt Kinder zur Welt, die früh sterben. Denn sie sind die Nachkommen derer, die der Herr gesegnet hat. Darum werden sie mit ihren Kindern leben. Schon ehe sie rufen, antworte ich ihnen. Während sie noch reden, erhöre ich sie. Wolf und Lamm weiden friedlich zusammen, der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Doch die Schlange muss sich von Erde ernähren. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg. Das sagt der Herr.

Jesaja 65, 17-25