3. Advent: Gottes Volk werden …

Bislang wird die Geschichte Gottes mit den Menschen – unter Außerachtlasssung der zweifellos vorhandenen Mütter, die die Geschichte auch ganz erheblich beeinflusst haben – als die „Vätergeschichte“ bezeichnet. Von Gott ist regelmäßig die Rede als vom „Gott Abrahams“ oder „Gotte Isaaks“ oder „Gott Jakobs“.

Noch Mose stellt sich Gott im brennenden Dornbusch so vor:

Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs

2. Mose 3, 6b

Diese ehemals überschaubare Sippengemeinschaft ist aber inzwischen nach dem Zeugnis der Bibel in Ägypten zu einem großen Volk angewachsen, so groß, daß die Ägypter es mit der Angst zu tun bekommen:

Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wusste nichts von Josef und sprach zu seinem Volk: Siehe, das Volk der Israeliten ist mehr und stärker als wir. Wohlan, wir wollen sie mit List niederhalten, dass sie nicht noch mehr werden. Denn wenn ein Krieg ausbräche, könnten sie sich auch zu unsern Feinden schlagen und gegen uns kämpfen und aus dem Land hinaufziehen. Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit schweren Diensten bedrücken sollten. Und sie bauten dem Pharao die Städte Pitom und Ramses als Vorratsstädte. Aber je mehr sie das Volk bedrückten, desto stärker mehrte es sich und breitete sich aus. Und es kam sie ein Grauen an vor den Israeliten.

2. Mose 1, 8-12

Ganz offenbar steht das Volk unter einem besonderen Schutz. Aber es wird immer mehr geknechtet. Männliche Kinder sollen gleich nach der Geburt getötet werden. Das Elend wird immer größer, und das Volk schreit zu Gott. Gotte wählt Mose, der von einer ägyptischen Prinzessin aufgezogen worden ist, dann aber aus Ägypten fliehen mußte, als den aus, der das Volk aus der Bedrückung befreien soll.

Am Berg Gottes – dem Ort der Gottesoffenbarung im brennenden Dornbusch und in den Zehn Geboten

Nachdem das Volk aus Ägypten herausgeführt und vor den Truppen des Pharao gerettet worden ist, nachdem es schon einige Zeit durch die Wüste gezogen ist, kam es an den Berg Gottes, den Sinai oder Horeb. Hier bot Gott nun dem Volk an, einen Bund zu schließen.

Nicht mehr eine Einzelperson – Abraham – ist der Bündnispartner, sondern das ganze Volk – eine Gestaltung, die sich schon sehr bald als problematisch erwies, da immer wieder einzelne oder auch Gruppen, ja zuweilen das ganze Volk den Bund in Frage stellten. Das weitere Alte Testament ist die Geschichte Gottes mit seinem Volk mit allen ihren Höhen und – von Seiten des Volkes Israel – allen Tiefen, die sich denken lassen.

Das Volk soll ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein – damit wird das Volk als Gott zugehörig – das meint hier „heilig“ – aus allen anderen Völkern ausgesondert und ausgezeichnet, es wird zum Volk des Eigentums Gottes. Das bedeutet zum einen Gottes besondere Zuwendung, Gottes Schutz und Hilfe für dieses Volk, zugleich erwächst aus diesem Bund auch eine besondere Verpflichtung des Volkes gegenüber Gott: Als heiliges Volk muß es ganz anderen Maßstäben genügen als alle anderen Völker. Neben den Zehn Geboten werden von Gott zahlreiche weitere Vorschriften aufgestellt, die Moses im „Buch des Bundes“ aufzeichnet. Das Volk stimmt allen Vorschriften zu, und in feierlicher Form wird der Bund besiegelt:

Mose kam und sagte dem Volk alle Worte des Herrn und alle Rechtsordnungen. Da antwortete alles Volk mit einer Stimme: Alle Worte, die der Herr gesagt hat, wollen wir tun. Da schrieb Mose alle Worte des Herrn nieder und machte sich früh am Morgen auf und baute einen Altar unten am Berge und zwölf Steinmale nach den zwölf Stämmen Israels und sandte junge Männer der Israeliten hin, dass sie darauf dem Herrn Brandopfer opferten und Dankopfer von jungen Stieren. Und Mose nahm die Hälfte des Blutes und goss es in die Becken, die andere Hälfte aber sprengte er an den Altar. Und er nahm das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volks. Und sie sprachen: Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir tun und darauf hören. Da nahm Mose das Blut und besprengte das Volk damit und sprach: Seht, das ist das Blut des Bundes, den der Herr mit euch geschlossen hat aufgrund aller dieser Worte.

2. Mose 24, 3-8

Das Volk Israel ist nun ein vor allen Völkern ausgezeichnetes Volk. Nicht selten wurde diese Auszeichnung aber auch als Belastung empfunden.