1. Advent: Gottes Bund mit der Menschheit

Als Gott dieht, wie die Menschen mit ihm, untereinander und mit der Schöpfung umgehen, beschließt er, die Scopfung rückgängig zu machen. Die Urflut, über der am Anfang Gottes Geist schwebte, die Gott am zweuten Tag der Schöpfung gebändigt und über und unter die Feste gebannt hatte, strömte auf die Erde zurück und deckte alles zu. Mensch und Tier gint unter, das feste Land verschwand.

Nur Noah mit seiner Familie und mit Paaren von allen Tieren wurde in der Arche verschont. Die Schöpfung war doch so gut. Bei allem Vernichtungswillen kann Gott sich letztlich doch nicht davon trennen.

Als die Arche schließlich wieder auf festem Land aufsetzt – es soll auf dem Berg Ararat gewesen sein – und schließlich Mensch und Tier sie wieder verlassen können, bringt Noah als erstes Gott ein Opfer dar. Gott faßt einen Entschluss:

Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

1. Buch Mose 8, 21 b, 22

Klingt das nach Resignation? Ach, Gott, da kann man nichts machen, die Menschen sind eben schlecht … Das würde nicht zu Gott passen (aber die Worte der Bibel sind immer menschliche Worte, die versuchen, Gott in menschlichen Gedanken zu fassen oder für menschliche Gedanken fassbar zu machen – ein aussichtloses Beginnen). Gott kann seine Schöpfung, das, was er gut hervorgebracht hat, nicht vernichten – auch das würde nicht zu Gott passen. Nun hat er dem Menschen einen freien Willen gegeben, der Mensch hat sich dafür entschieden, nicht Kind zu bleiben, sondern zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Er hat sich mit der damit verbundenen Verantwortung ganz offenbar übernommen. Gott erkennt den freien Willen an – und auch die Konsequenzen: Es wird mit dem Menschen nicht alles zum Besten stehen. Das aber soll kein Grund (mehr) sein, die Schöpfung zunichte zu machen.

Gott wäre nicht Gott, wenn es nicht schließlich doch zu einer Lösung käme. Doch bis dahin sollte noch viel Zeit vergehen …

Zunächst wendet sich Gott naheliegender Weise Noah und den Seinen zu:

Der Regenbogen – das Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen

Und Gott segnete Noah und seine Söhne und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde. … Seid fruchtbar und mehret euch und reget euch auf Erden, dass euer viel darauf werden. Und Gott sagte zu Noah und seinen Söhnen mit ihm: Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren auf Erden bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind auf Erden. Und ich richte meinen Bund so mit euch auf, dass hinfort nicht mehr alles Fleisch ausgerottet werden soll durch die Wasser der Sintflut und hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe. Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, dass ich Wetterwolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, dass hinfort keine Sintflut mehr komme, die alles Fleisch verderbe. Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist. Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden.

1. Buch Mose 9, 1, 7-17

Gott schließt einen Bund mit Noah und damit zugleich mit der Menschheit, denn sie wird ja zu diesem Zeitpunkt von Noah und seiner Familie repräsentiert. Gott erstreckt den Bund auch ausdrücklich auf alle Nachkommen des Noah und auf alle Tiere: Sie sind gleichberechtigt mit uns in den Bund einbezogen – sind wir uns dessen immer bewußt?

Das war das erste Mal, dass Gott einen Bund mit den Menschen geschlossen hat.

Gott wird seine Schöpfung nicht mehr vernichten. Aber die Menschen … Sie sind auf dem besten Wege, Gottes Schöpfung vollends zu ruinieren. Wir können nur hoffen, dass Gott seine Schöpfung nicht nur nicht aktiv mehr vernichten, sondern auch verhindern wird, dass sie durch uns der Vernichtung preisgegeben wird.

Bei dem ersten Bund ist es nicht geblieben. Mehr dazu am 2. Advent.